/userfiles/images/medizin_im_bild/vincenz-kern.jpg Vincenz Kern (1760 - 1829)

Der 1760 in Graz geborene Vincenz Kern hatte das „Chirurgenhandwerk“ gründlich erlernt, vorerst in seiner Heimatstadt und anschließend in Italien. Danach ging er nach Wien, um die zahlreichen vorgeschriebenen Prüfungen abzulegen, die ihm auch die wissenschaftlichen Qualifikationen zum vollwertigen Chirurgen und Arzt garantierten: So wurde er 1784 Magister der Chirurgie und Geburtshilfe, 1790 Doctor chirurgiae und neun Jahre später Doctor medicinae.


Reform zum Aufbau einer Universitätschirurgie
Joseph  Andreas von Stifft, erster Mediziner im Habsburger Reich des Franz  des II., I. hatte ehrgeizige Reformpläne für das Gesundheitswesen. Im Gegensatz zur josephinischen Ära lagen seine Bestrebungen im Aufbau einer zivilchirurgischen Ausbildung in Form einer leistungsfähigen Universitätschirurgie. Der junge aufstrebende Chirurg Vincenz Kern schien den Anforderungen Stiffts genau zu passen, als er ihn 1805 mit dem Lehrstuhl der Chirurgie betraute.

Ein weiterer Schritt des Stifftschen Reformprogramms war die Gründung des k.k. Operateurinstituts im Jahr 1807, dessen Führung er ebenfalls in die Hände Kerns legte. Für Erna Lesky, der großen Medizinhistorikerin der Wiener Medizinischen Schule, war das Operateurinstitut die Stammschule künftiger österreichischer Chirurgen. Dabei erhielten sechs der tüchtigsten jungen Wundärzte ein Staatsstipendium von jährlich 300 Gulden und wurden in einem zweijährigen Spezialkurs theoretisch und praktisch in operativer Chirurgie von Kern persönlich ausgebildet.

/userfiles/images/termine_2017/Fernrohr_(1).jpg

Vincenz Kerns perinale Lithotomie
Vincenz Kern war nicht nur begnadeter Lehrer, er war auch für seine präzise durchgeführten Blasensteinoperationen bekannt. Der Blasenstein, ein schon seit Urzeit bekannt gefürchtetes Leiden, konnte bis ins 19. Jahrhundert nur durch eine lebensgefährliche Operation entfernt werden. Wie schon große Chirurgen vor ihm, hatte auch Vincenz Kern den Ehrgeiz, die Technik der Steinoperation zu verbessern. Den Seitensteinschnitt hatte er in Italien bei  Pajola, einem wahren Meister seines Fachs, gelernt. Kerns erklärtes Lebensziel war, die Ergebnisse seines Meisters zu übertreffen. Und diese konnten sich sehen lassen: 779 Steinoperationen mit nur 12 Verlusten.

Geprägt durch die Verwendung eines unterschiedlichen Instrumentariums und einer anderen Art der Wundversorgung hatte Kern tatsächlich seine eigene Methode des perinealen Steinschnitts entwickelt und sie  zur höchsten Perfektion gebracht.